zu viel TV

Das hatte sie doch allen Ernstes verpasst. GNTM wurde abgebrochen wegen einer Bombendrohung. Nein sie war es nicht – ehrlich nicht. aber sie musste zugeben, dass sie die Sendung ab und an gesehen hatte, nicht nur einmal und alleine dafür genierte sie sich ein bisschen. Sie fand es schwachsinnig, sie mochte HK nicht einmal und auch die anderen waren ihr nicht sonderlich sympathisch. Sie hatte einfach keine Erklärung dafür. Aber die hatte sie auch nicht dafür, dass sie sich immer wieder Sendungen ansah, die sowohl am ehesten in die Rubrik “verlorene Zeit” einzuordnen waren. Sie ärgerte sich nachher auch oft darüber, dass sie nicht abgedreht hatte. Sie würde jetzt gerne behaupten, dass das Kultursendungen waren oder Politische Diskussionen, aber es waren viel zu oft amerikanische Sitcoms, die einem vorschrieben, wann man zu lachen hatte. Oder Doku-Soaps, in denen Evas, Tines oder Marks mit ihrem jeweiligen unverzichtbaren Teams aus Bruchbuden Traumhäuser mit fast identen schwedischen Inneneinrichtungen zauberten. Hin und wieder sah sie auch Profiköchen dabei zu, wie sie Restaurants vor dem Untergang bewahrten oder amerikanischen Sondereinheiten beim erfolgreichen Verfolgen von Serienmördern oder Sexualstraftätern. Immerhin hatte sie es bisher vermeiden können, ihr unbekannten Promis beim Shoppen oder Kochen zuzusehen und das wertete sie als Erfolg. Nichts davon wollte sie unbedingt sehen, sie vermisste es nicht und sie suchte nicht bewusst danach. Und trotzdem hatte sie das alles schon viel zu oft gesehen. In diesen Stunden hätte sie lesen können, schreiben können, so viel Sinnvolleres erledigen können! Aber wenn sie einmal davor saß, war es schwer wieder abzudrehen. In der Werbepause wurde zu anderen Sendung gewechselt und irgendwie wollte sie dann doch immer wissen, wie die Geschichte ausgehen würde, als ob der Ausgang der Geschichte schon jemals eine Überraschung gewesen wäre! Das Zappen war das Problem. Wenn sie das vermeiden könnte, würde sie bei dem Blödsinn nicht hängen bleiben. Das war ihr auch schon ab und zu gelungen. Sie musste sich eine Wecker stellen, wann sie abdrehen wollte – also genau nach der Sendung, die sie wirklich sehen wollte! Ja die gab es auch Es gab zum Beispiel zwei bis drei Serien, die sei wirklich gerne sah. Das fand sie auch ok. Aber danach musste sie sich zwingen, abzudrehen und nicht weiterzuschalten. Sie nahm es sich erneut vor. Fernsehen musste sie also planen – welche Sendung – und ganz genau von wann bis wann. So wollte sie es auch ihren Kindern vorleben. Nicht einfach aufdrehen und schauen was läuft, sondern vorher entscheiden. Sie war sich sicher, dass das funktionieren konnte, nur gäbe es dann ein Problem . . . Was würde sie mit dieser vielen Zeit nur anfangen, die ihr dann blieb?

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