wieder mal nicht perfekt, . .

Was war sie denn für eine Mutter? Sie hatte wieder einmal unter Beweis gestellt, dass sie nicht die top organisierte Super Mami war, und zwar gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden.  Zuerst einmal war sie am Nachmittag ohne Tasche außer Haus gegangen. Erster Fehler. Sie wollte eigentlich nur einen Sprung in die Apotheke für ein paar Hustenzuckerl. In ihrer Manteltasche hatte sie auf eindringliches Bitten ihres Sohnes – sofern man bei zweijährigen von „Bitten“ sprechen kann – immerhin die Wasserflasche für ihn mit, obwohl sie außer Geld und Schlüssel nichts mitnehmen wollte, weil die Apotheke genau zwei Erwachsenen- und ungefähr acht Kindergehminuten entfernt lag. Da es aber unerwartet warm und schön war, beschloss sie ungeplant und kurzfristig (!) einfach noch einen Sprung auf den Spielplatz zu gehen, der auf der anderen Straßenseite lag.  Schon hier beschlich sei das ungute Gefühl, für einen Spielplatzbesuch nicht ausreichend ausgestattet zu sein. Keine Taschentücher, keine Feuchttücher, keine Jause, kein Sandspielzeug, keine Ersatzwindel, kein Ersatzbody, keine Pflaster, kein Desinfektionsmittel, keine Globuli gegen kleine Verletzungen. Und nichts davon würde sie in der nächsten halben Stunde brauchen, und falls doch, sie wohnte ja gegenüber. Aber dann begegnete sie ihrer Nachbarin, die ebenfalls mit ihrem Kind „kurz mal“ auf dem Spielplatz war. Als sich ihre fast gleich alten Söhne sich an diesem kleinen Kindertisch niederließen, wurde sie sich ihrer mütterlichen Unperfektheit wieder bewusst, denn die Nachbarin hatte nicht nur zuckerfreie Tierchenkekse im der bunten Autodose mit, sondern zwei Becher Apfelmus und zwei (!!) Löffelchen. Ganz verschämt kramte sie zumindest die Flasche Wasser aus ihrer Manteltasche. Ihr Sohn aß die meisten Kekse und verschlang den einen Becher Mus, als ob er tagelang nichts zu essen bekommen hätte. Sie musste lachen. Sie bedankte sich bei ihrer Nachbarin, sprach die längst fällige Einladung zum Kaffee aus, und freute sich darüber, dass die zwei Kinder ihren Spaß miteinander hatten und sie einen gemütlichen Plausch. Wieso nur zweifelte sie als Mutter immer an sich selbst? Warum glaubte sie immer, es nicht gut genug zu machen? Warum verglich sie sich immer mit den anderen? Genauso wie sie im Kindergarten die Decke ihres Sohnes identifizieren musste, weil die gleiche Decke eines anderen Kindes groß mit Namen bestickt, ihre aber nur am Rand klein und unauffällig beschriftet war? Um sich daraufhin gleich unzulänglich zu fühlen, weil sie nicht auf die Idee gekommen war, die Decke zu besticken? Ja klar, eine tolle Idee, wieso machte sie es nicht einfach nach? Warum glaubte sie als Mutter immer alles schon vorher wissen zu müssen? Warum war es so schwierig, einfach immer dazuzulernen und sich von den anderen Müttern etwas abzuschauen, wenn sie irgendetwas gut fand?  Sie war am Weg dorthin, aber trotzdem, dieser kurze Moment des Gefühls der Unzulänglichkeit war immer da.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *