Weihnachtsdekoration?

Knapp eine Woche vor dem ersten Advent. Der Adventkranz war soweit fertig, die Kerzen fehlten noch. Die Kiste mit der Weihnachtsdeko stand unübersehbar am Tisch – seit drei Tagen. Irgendwie konnte sie sich nicht dazu bringen, das mit der Deko auch in Angriff zu nehmen. Sie hatte bis jetzt jedes Jahr dekoriert, ein paar schöne Kugeln dort, ein Weihnachtsstern da, eine Lichterkette, ein paar Kerzen, und es hatte ihr schlussendlich auch immer gefallen. Nur ihr Mann schimpfte mit einem Augenzwinkern über die “Staubfänger”. Es hatte nie so ausgesehen wie in den wunderschönen Katalogen, die vor Weihnachten zuhauf im Briefkasten landeten. Das würde sie nie so hinbekommen. Lag aber auch daran, dass das Wohnzimmer ohne Deko nicht so aussah wie im Katalog. Dieses Jahr hatte sie irgendwie keine Lust und natürlich ein paar gute Ausreden parat. Die erste war ein Klassiker – keine Zeit. Das war aber gelogen. Die zweite kam der Wahrheit schon etwas näher: Ihr jüngerer war grad eins geworden und würde alles irgendwann herunter reißen, die Stiegen hinunter werfen, in den Mund stecken oder alles gleichzeitig. Also dieses Jahr nur die Sparvariante. Einerseits war das erleichternd, andererseits hätte sie es schon gerne so richtig schön. Sie liebte Deko. Und sie beneidete die Freundinnen, bei denen es immer so perfekt aussah. Da gab es silberne Hirsche im Vorzimmer, silberne Sterne neben silbernen Bilderrahmen mit den schönsten Familienfotos, die dazu passende Kerzenhalter, Schälchen mit schönen Weihnachtskugeln, dezent arrangierte Maschen, ein wunderschöner Adventkranz, ein weihnachtliches Gesteck auf dem Esstisch und ein traumhafter Kranz an der Eingangstür. Lichterketten, bei denen das Kabel nicht zu sehen war, und alle eingegangenen Weihnachtskarten mit noch mehr Fotos von befreundeten Bilderbuchfamilien auf dem Kaminsims. Wow. Für jedes Kind gab es einen selbstgebastelten und selbst gefüllten Adventkalender und an den Adventwochenenden wurden befreundete Familien eingeladen, um diesen Weihnachtstraum zu bewundern. Dazu wurden “nur ein paar Kleinigkeiten” geboten, wie es die erfolgreich berufstätige Hausfrau betonte. Nur ein paar selbstgemachte Kekse, ein Punsch und dann noch ein kleines Abendessen in drei Gängen. Die Kinder im Alter zwischen vier und zehn trugen hübsche Kleidchen in Rottönen (die Mädchen natürlich), die Buben dunkelblaue Hosen und hellblaue Hemden. Sie hasste und sie liebte es. Ein Teil in ihr wollte genauso sein, ein anderer lehnte sich dagegen auf. In diesem Zwiespalt lebte sie. Und immer wieder musste sie sich daran erinnern, dass das alles nicht so wichtig war. Dass es zu Weihnachten um all das nicht ging! Interessanterweise hatte der Werbespot einer deutschen Supermarktkette das gut zum Ausdruck gebracht. Es spielte keine Rolle. Egal, wie sehr man dafür von außen bewundert werden würde, es würde sie nicht glücklicher machen. Ihre Kinder würden sie nicht mehr lieben, ihr Mann nicht weniger. Es war nicht wichtig wie die Kekse aussahen, es war wichtig, dass sie sie gemeinsam gebacken hatten! Es war nicht wichtig, wie perfekt die Deko aufeinander abgestimmt war, sondern, dass die Kinder im Wohnzimmer unbeschwert spielen konnten!

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