Vorweihnachtszeit

Es war schon Vorweihnachtszeit – oder doch nicht? Also Advent war noch lange nicht, aber die Christkindlmärkte sperrten so langsam auf, also es war knapp sieben Wochen davor. Prinzipiell wäre es ihr ja egal, aber sie beschäftigte sich damit, weil sie dieses Jahr endlich einmal alle Geschenke rechtzeitig haben wollte. Würde ihr das gelingen und was genau war rechtzeitig? Ihr Mann verstand darunter Heilig Abend 14 Uhr. Sie sah das etwas anders. Sie wollte endlich einmal den Advent genießen, ohne in Gedanken immer noch ein Geschenk zu suchen. Also war ihr persönlicher Zeitrahmen wohl der erste Advent. Bis dahin wollte sie die Wohnung weihnachtlich geschmückt und alle Geschenke organisiert haben. Sie räumte sich allerdings noch die Möglichkeit ein, spätestens dann noch eine letzte Bestellung im Internet aufzugeben. Immerhin würde der Dezember schon deshalb spannend werden, weil sie dann einen kleinen Neffen bekommen würde. Das würde ihr persönlich zwar keinen Stress verursachen, aber dennoch wollte sie irgendwie auf Abruf bereit stehen. Sie würde Kekse backen, das Essen für Heilig Abend planen, die schwiegerelterliche Wohnung für ihren Besuch richten und diese besonders gemütliche Zeit genießen wollen. Daneben noch den normalen Alltag weiterleben. Sie hatte also einen Plan, aber wie jedes Jahr verzweifelte sie schon in Gedanken daran. Sie hatte einfach keine Ideen. Das einzige, was sie schon hatte, waren die Geschenksackerl. Dieses Jahr wollte sie zumindest die Papierflut ein kleines bisschen eindämmen. Sie hatte sich für schöne Säcke entschieden, die man wiederverwenden konnte. Sie müsste wohl noch ein paar dazukaufen aber das sparte auch Zeit beim einpacken. Und es sah genauso hübsch aus! Wirklich! Es passte zu dem gesamten letzten Jahr, in dem sie zumindest ein kleines bisschen öko geworden war. Irgendwie öko light. Außerdem würde der Rest der Familie ohnehin dafür sorgen, dass es noch genug Packerl gab. Eine nicht enden wollende Geschenkeflut, vor allem wohl für ihren Sohn. Immerhin war der bis irgendwann im Dezember das einzige Kleinkind. Und auch ihr fielen viele Sachen ein, die sie ihm gerne schenken würde! Bei ihrem Mann, ihren Eltern, Ihren Geschwistern und ihren Freunden war das etwas anderes. So oft schon hatte sie sinnloses verschenkt und sinnloses bekommen –  konnte man das nicht abschaffen? Natürlich war „sinnvoll“ ein sehr dehnbarer Begriff, aber sie wollte nichts verschenken, was sie nicht selber auch freuen würde. Und DAS war schwierig. Sie hatte alles. Was allerdings nicht hieß, dass sie mit einem Lotto Sechser nichts anzufangen wüsste, aber echte Wünsche hatte sie nicht. Also wusste sie auch nicht, womit sie anderen eine Freude machen könnte. Als erstes vielleicht mal eine Liste, damit sie niemanden vergaß, und dann ein bisschen in Ruhe darüber nachdenken? Die Zeit hatte sie sich nie genommen, sondern oft in letzter Sekunde irgendeine Kleinigkeit gekauft. Oder sie hatte Selbstgebackenes verschenkt. Vielleicht war es besser, sich wirklich einmal in Ruhe hinzusetzen, und dann ganz gezielt einkaufen zu gehen. Wenn sie etwas bestimmtes wollte, konnte sie es ja auch online bestellen, das würde viel Zeit sparen. Denn das Bummeln hatte sie selten inspiriert, viel eher gestresst. Sie liebte es zu bummeln, aber nicht kurz vor Weihnachten und nicht wenn sie auf der Suche nach etwas unbestimmten war. Am liebsten bummelte sie ohne Ziel. Es gab ja tatsächlich so durchorganisierte Personen, die es angeblich schafften, unter dem Jahr dann etwas zu kaufen, wenn sie etwas passendes für die zu beschenkenden fanden. Das war ihr erst ein einziges Mal gelungen, und da hatte sie das Weihnachtsgeschenk dann zu Ostern gefunden. Dieses Jahr würde sie besser planen. Sie nahm es ich inständig vor und sie würde noch heute – spätestens aber morgen  – einmal eine komplette Liste schreiben.

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