Ungeduld

Prinzipiell gesehen bin ich ja ein sehr geduldiger Mensch: Mich stören Warteschlangen ebensowenig wie langsame Straßenbahnen. Ich habe es selten wirklich eilig, obwohl es zugegebenermaßen inzwischen häufiger vorkommt, dass ich zu spät wegkomme. Zwei kleine Kinder sind zwar eine gute Ausrede, aber genau genommen wären auch diese Verzögerungen großteils einplanbar. Aber bei so langfristigen Aktionen, da fehlt mir die Geduld komplett. Ich will gleich Erfolge, ich will sehen; dass was weitergeht, dass es was bringt usw. Nur bringen es langfristige Projekte leider mit sich, dass es Höhen und Tiefen gibt: Zwei Schritte nach vorne und einer zurück. Da schwindet bei mir dann oft die Motivation. Ich hinterfrage die Sinnhaftigkeit, und ob es das alles überhaupt wert ist. Oft genug komme ich zu dem Schluss, dass ich den bequemeren Weg gehe. Das wiederum hat aber zur Folge, dass ich frustriert bin, weil ich wieder einmal etwas aufgegeben habe und mich – bildlich gesprochen – mit meinem faulen Hintern wieder aufs Sofa gesetzt habe. Momentan bin auch bezüglich meines Plastikreduktion-Projektes ansatzweise in dieser Phase. Dafür gab es zwei Auslöser. zum einen habe ich heute wieder Müllsäcke gekauft, weil im Haushalt immer noch einiges anfällt, und ich keine andere Lösung weiß, und zum anderen weil ich mich an meinen Aufenthalt in Bangkok und Hongkong erinnert habe und mich gefragt habe, ob es überhaupt irgendeinen Sinn macht, dass ich im kleinen grünen und halbwegs Müll trennenden und recycelnden Österreich auf ein paar Verpackungen verzichte? Echt jetzt – wer schon einmal in erwähnten Ländern war – oder auch in anderen – weiß, wovon ich rede. Ganz zu schwiegen von unseren südlichen Nachbarn; die jetzt ihren Müll (gegen gute Bezahlung) bei uns entsorgen. Und mein Plastiksackerl landet meines Wissens ohnehin in der Verbrennung also nicht direkt als ganzes im Meer . . . andererseits – ist das natürlich immer ein Totschlagargument. Was kann ein einzelner schon ausrichten? Es haben immer irgendwelche Idioten mit etwas neuem begonnen, wurden dafür schief angesehen bevor es zu einem allgemeinen und anerkannten Trend oder einer Bewegung wurde. Diesmal bin halt ich so ein Idiot. Noch dazu ein ziemlich stümperhafter und langsamer. Das hat allerdings den Vorteil, dass ich nach wie vor sozial erträglich agiere, nicht jedem ungefragt einen belehrenden Vortrag halte und nicht als radikaler Spinner abgestempelt werde. (Höchstens in meiner Abwesenheit und das ist mir dann wurscht) Ich wäre ja gerne ein bisschen radikaler, und würde am liebsten alles wegwerfen, was jetzt nicht mehr in mein Konzept passt, aber das stünde im kompletten Widerspruch zu meinem Vorhaben. Ich will ja weniger Müll produzieren und nicht mehr. Also kann und darf ich nicht entrümpeln , ganz im Gegenteil! Alles so lange wie möglich verwenden und dann irgendwie recyceln oder upcyceln oder verschenken. Ganz ohne Plastik schaffe ich es momentan auch gar nicht – dazu habe ich noch viel zu viel. Gerade eben habe ich mit der Heißklebepistole den losen Kerzenhalter am Adventkranz fixiert und aus normalen Strumpfhosen Antirutsch-Strumpfhosen gemacht – upcycling at its best, aber plastikhältig. Zumindest habe ich nix neues gekauft. Ich habe auch noch viel Geschenkpapier, das ich diese Weihnachten verwenden werde, neben ein paar schönen Jutesäcken, die ich auch schon habe. Ich werde mich auch bemühen, wenig Tixo zu verwenden und bei der Bescherung auf ordentliche Trennung achten. Wie gesagt, zwei Schritte vor und einer zurück. Aber besser als gar nichts; oder?

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