so klein und schon golfen . . .

Er war noch nicht einmal drei, viel zu klein für jegliches Kindertraining. Das war ihr schon klar. Aber entweder sie nahm ihn mit auf den Golfplatz oder sie würde auch die nächsten Jahre nicht spielen können. Immerhin hatte sie es geschafft, sowohl ihre erste Schwangerschaft als auch ihre zweite so idiotisch zu legen, dass alleine aufgrund ihres Bauchumfangs fast jeweils eine Saison kein Golf möglich war. Sie hätte die Erlaubnis zum Spielen schon gehabt, aber ihr ebenfalls golfspielender Gynäkologe hatte sie darauf hingewiesen, sie würde sich ihren Schwung ruinieren wenn sie auch als Schwangere spielte. Vorallem wegen der Ausweichbewegungen. Und sie hatte schon einige Pensionisten mit erheblichem (Bier-) Bauch Golf spielen sehen, und einen solchen Schwung wollte sie wirklich vermeiden. Also dann auch diesen Sommer kein Golf. Jetzt ging es irgendwie noch, sie war zwar schon sichtlich schwanger, aber ein normaler Schwung war noch möglich. Die Jahresgebühr für dieses Jahr war bezahlt, da musste sie doch zumindest noch ein paar Stunden im Frühling dort verbringen! Sie durfte sich ja gar nicht ausrechnen, was sie eine Stunde auf der Range dieses Jahr umgerechnet kostete. Deshalb waren sie letzten Sonntag auch hinaus gefahren, die Plastikschläger des Juniors im Gepäck. Sie hätte wissen müssen, dass das nicht ganz so funktionieren würde, wie sie sich das vorgestellt hatte. Nach wenigen Schwung- und Schlagversuchen mit der Plastikvariante, war er zum Erwachsenenbag gekommen und hatte darauf bestanden, einen richtigen Schläger und eine echten Ball zu bekommen. Ihm war offensichtlich völlig klar, dass seine Eltern ihn mit einer Spaßvariante hatten abspeisen wollten. Da hatten sie sich den falschen ausgesucht. Nicht mit ihm – auch wenn er den Schläger kaum halten konnte, geschweige denn den Ball damit irgendwie treffen würde können, DAS war Golf spielen. Alles andere: Kinderkram. Nachdem sie alles andere als eine überehrgeizige Mutter war, hatte sie ja nur vorgehabt, ihm zu zeigen, dass man auf der Range Spaß haben und spielen konnte. Es war ihr gar kein Anliegen, ihm jetzt schon das echte Golf näher zu bringen, sie wollte nur als Familie ein paar Stunden an der frischen Luft verbringen, und das halt am Golfplatz. Ihr Mann und sie hätten abwechselnd einfach ein bisschen geübt. Das war der Plan gewesen. Aber so wie es aussah, war das wohl nicht genug. Sollte sie jetzt echt richtige Schläger kaufen? Gab es die überhaupt in so klein? Irgendwie wiederstrebte es ihr. War das nicht zu viel? Er war doch noch so klein? Andererseits. Es war sein Wunsch. Sie hatte ihn in keinster Weise gedrängt. Er schien die Plastikschläger unpassend zu finden. Na gut. Warum eigentlich nicht? Sollte golfenden Eltern schlimmeres passieren, als dass das Kind freiwillig auch damit anfangen wollte. Eigentlich doch ein gute Sache. Und ein kleines bisschen Stolz schwang in ihrer Brust.

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