O Captain! My Captain!

Eh traurig. Immer. Vor allem wenn sie zu jung sterben. Besonders tragisch, wenn sie unerwartet sterben, sich umbringen, kleine Kinder hinterlassen. Und trotzdem hatte sie nicht viel Verständnis für die weltweiten Beileidsbekundungen. Die zahllosen Postings, Filme, Fotos und andere Selbstdarstellungen, die die Trauer ausdrücken sollten. Sie konnte das nicht nachvollziehen. Was bezweckte man damit? Natürlich war es immer ein Ausdruck dafür, dass man geschätzt hatte, was der/die Verblichene geleistet oder getan hatte. Das war ja auch ok. Aber warum musste man sich zu diesem Zweck in aller Öffentlichkeit auf einen Tisch stellen und laut „O Captain! My Captain!“ sprechen? War das irgendwie ein wichtiger Beitrag? Ja natürlich die Filme waren toll, sie hatte Club der toten Dichter gesehen, auch den Film über Patch Adams, aber ganz bestimmt nicht alle. Ja er war ein toller Schauspieler gewesen, aber gerade ein Schauspieler brauchte auch die entsprechenden Rollen. Ein guter konnte aus einer Rolle etwas ganz besonderes machen und das war ihm sicherlich gelungen. Aber es war eine Rolle. Auch die besten sprachen nur das nach, was im Drehbuch stand. Sie erfanden es nicht. Sie folgten den Anweisungen des Regisseurs. Die Maskenbildner sorgten dafür, dass der Gesichtsausdruck zur Geltung kam und es steckte noch so viel mehr dahinter. Licht, Kostüme, Ausstattung und Dinge, von denen sie als Laie nichts wusste. Gerade in Hollywood. Da hatte sie schon größeren Respekt vor der Leistung der Schauspieler, denen es in kleinen Kellertheatern ohne viel Requisite und Technik und unmittelbar vor dem Publikum gelang, Stimmungen zu erzeugen, zum Nachdenken anzuregen, zu berühren. Das war Können. Welche der bekannten Namen hatten so angefangen? Sie wusste es nicht, da sie sich nie sonderlich dafür interessiert hatte. Außerdem fand sie es immer traurig, dass im Gegenzug so viele Menschen gab, die tatsächlich die Welt zum Bessern veränderten tagtäglich, die niemand kannte, die im Verborgenen wirkten, ohne die das Leben anderer oft nicht möglich wäre. Menschen in Sozialberufen, Helfer und Retter in Kriegsgebieten, Menschen mit Zivilcourage und unzählige andere. Wenn man also einem Verstorbenen Tribut zollen wollte, wäre es dann nicht angebracht, sein Wirken fortzusetzen? Wollte Robin Williams etwas bewirken und wenn ja – was? Am meisten imponiert hatte ihr persönlich die Idee des Lachens – der Film Patch Adams. Humor und Lachen als Teil der Gesundheit. Sie würde sich selber nicht als witzige Person charakterisieren, aber gerne lachen – ja klar! Nicht alles auf die schwere Schulter nehmen – da war sie dabei. Nein sie würde sich nicht auf einen Tisch stellen und „O Captain! My Captain“ brüllen und das posten. Sie wollte versuchen, einiges wieder mit mehr Humor zu nehmen, bewusst mehr lachen. Es würde ihr und ihrer Umgebung gut tun.

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