Muttertag

Eine Muttertagskolumne nach dem Muttertag – komplett uninteressant aber sie konnte es nicht lassen. Sie mochte diesen Tag und gleichzeitig auch wieder nicht. Zwiespältige Gelegenheit. Sie würde ja gerne zu den Müttern gehören, die den kommerziellen Aspekte so sehr verabscheuten, dass sie auf eigenen Wunsch darauf verzichteten und ohnehin schon so dankbar für dafür waren, Mutter zu sein, dass die tägliche Liebe ihrer Kinder völlig ausreichte. Zusätzliche Wertschätzung unnötig. Sie hatte das Bild einer solchen Mutter vor ihrem Auge. Gebildet, guter Teilzeitjob, Villa im Nobelbezirk, regelmäßige Haushaltshilfe oder Kindermädchen zur Unterstützung, sowie ab und zu ein unscheinbares aber umso kostspieligeres Geschenk eines Mannes, der für das Luxusleben viel zu viel arbeiten musste. Dazu gehörte sie nicht, wollte sie auch nicht. Und sie wollte einmal im Jahr bevorzugt behandelt werden. Es mussten weder Blumen noch Pralinen sein, aber etwas selbstgebasteltes von den Kindern, ein Herz aus Kuchenteig, ein paar nette Worte, eine extra Umarmung, sich ein kleines bisschen verwöhnen lassen, darauf wollte sie auf keinen Fall verzichten. Es müsste auch nicht dieser spezielle Sonntag sein – aber sie wusste auch, dass so etwas an einem anderen nie funktionieren würde, also war sie froh dass es ihn gab. Und sie fand es gut, dass Mann und Kinder daran erinnert wurden, dass ein wenig Dankbarkeit und Wertschätzung genauso dazu gehörten wie die Selbstverständlichkeit, mit der sie als Mutter all das tat, was getan werden musste – und oft auch noch viel mehr.

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