Lottojackpot

Lottojackpot! Und sie würde wieder nicht gewinnen. Eh klar. Aber diesmal würde sie zumindest mitgespielt haben. Die anderen Male hatte sie sogar am Lottoschein gespart und sich dann über da Nicht-Gewinnen beschwert. Und irgendwie war es trotzdem schön, sich vorzustellen, was sie täte, wenn . . . So viel Geld – ein Wahnsinn. Am liebsten würde sie ja weitermachen wie bisher. Den Wohnungskredit zurückzahlen und einen großen Anteil für später zurücklegen. Aber sonst – ein paar kostspielige Kleinigkeiten: ein Bücherregal und einen Kasten vom Tischler. Öfter zur Fußpflege gehen. Öfter einen Babysitter nehmen und essen gehen oder einen Tanzkurs machen. Vielleicht mal einen Personal Trainer nehmen? Bei der Urlaubsbuchung nicht immer das günstigste Zimmer buchen und vielleicht mal zwei Wochen am Stück wegfahren? Einen kleineren neuen Laptop kaufen. Und das war es schon. Wohnungskredit und Pension waren da sicher der größte Brocken, irgendeine Vorsorge für die Kinder würde natürlich auch dazu gehören. Aber alles andere gefiel ihr, so wie es war. Sie würde es auch niemanden erzählen. Gegenüber ihrer Familie und den engsten Freunden würde sie eventuell einen kleineren Gewinn zugeben, um die Ausgaben erklären zu können. Sie würde auch gerne ihren Geschwistern etwas davon abgeben, denn anders fände sie es unfair. Sie dachte gerne darüber nach. Es machte Spaß, obwohl sie wusste, dass es nie passieren würde. Dennoch kam es ihr manchmal sehr real vor. Sie würde ja nicht einmal ihren Job hinwerfen, höchstens nach der Karenz mit weniger Stunden wieder einsteigen. Sie war sich auch sicher, dass sie nicht anders einkaufen würde. Vielleicht ein bisschen mehr bei der Biobäuerin als bisher. Das galt auch für Kleidung, Schuhe und Taschen. Da gab es für sie eine persönliche Obergrenze, die sie nicht zu überschreiten bereit war. Nie. Das würde sie beibehalten wollen. Möglicherweise würde sie aber vermehrt auf Herkunft und Produktionsbedingungen achten und dann würde sich die Obergrenze schon ein wenig nach oben verschieben müssen. Sie achtete jetzt auch darauf, aber manchmal war ihr die “faire” Alternative dann doch zu teuer. Eben – eigentlich lauter Kleinigkeiten. Sie wollte kein Haus, kein neues Auto, keinen Zweitwohnsitz. Sie war schon auf der Butterseite des Lebens. Nur über den laufenden Kredit, über den machte sie sich glücklicherweise selten und laut ihrem Mann – unbegründet – Sorgen. Sie hasste es einfach, Schulden zu haben. Ja klar würden sie das irgendwann abbezahlt haben, aber da kam wieder ihre Ungeduld hervor, am liebsten gleich jetzt. Und dazu bräuchte sie den Lottogewinn, wobei der Jackpot dafür ja gar nicht nötig wäre. Aber wenn schon – denn schon. Dann bliebe soviel übrig, dass sie auch etliches spenden würde. Auch da gab es viele Projekte, denen sie gerne mit mehr als einer Kleinspende helfen würde. Anonym selbstverständlich.

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