Kinderessen

Ja, so konnte es laufen. Ein Einkauf beim Diskonter: Maisstangen (inkl. böses, böses Palmöl!!!!), ein zuckerbestreuter Striezel, Fruchtmusquetschies, Schokocornflakes (immerhin mit einem Vollkornanteil) und eine blitzblaue bunt bedruckte Kinder – Wasserflasche. DAS war der Traum-Einkauf ihres Kindes! Und ihr persönlicher Tiefpunkt. Sie, die sie geschworen hatte – wohlgemerkt vor der Geburt des ersten – dass sie solchen Schund niemals kaufen würde! Die Kinder sollten gefälligst Leitungswasser trinken, Haferflocken und Vollkornbrot essen und als Zwischenmahlzeit Obst – richtiges Obst – nicht die pürierte Variante aus dem Quetschbeutel! Ihre Kinder würden niemals unterwegs diese grässlichen Hirsekringel bekommen! Ihre Konsequenz hatte sie schmählich im Stich gelassen! Inzwischen nahm sie es mit Humor – was blieb ihr auch anderes übrig! Und sie war stolz darauf, dass er sich ein Wasser aussuchte und nicht etwa ein Dreh und Trink. Ein kleiner Sieg – wie sie fand. Sie freute sich auch, wenn von dem Vollkornjausenbrot mit Käse immerhin ein Stück abgebissen war, und hin und wieder das Gemüsefach der Jausenbox leer gegessen war – genau genommen immer, wenn es Gurkenscheiben gab. Alles andere – komplette Verweigerung. Beim Obst war die Auswahl etwas größer: Trauben, Melone, Erdbeeren, Apfel, Banane, Mandarinen. Aus. Rosinen waren auch ok – und Erdnüsse. Wehe – sie wagte es, in die Spaghettisauce etwas anderes als Tomaten (aber bloß keine Stückchen) und Fleisch zu mischen – er fand es. Und auf die mütterlich liebevolle Aufforderung, das bisschen Zucchini zumindest zu kosten, folgte regelmäßig die Antwort, dass er das schon kenne, und daher genau wüsste, dass es ihm nicht schmeckte. Immerhin hätte er ja vor seiner Zeit bei seinen Eltern – im Himmel – auch schon etwas gegessen, also warum er dann hier auf Erden nochmal alles kosten müsse . . Daraufhin folgte mütterliche Resignation. Ja sie hatte es fast aufgeben, und das war vielleicht besser so. Sie kochte einfach weiterhin gesund und ausgewogen, wie sie es immer schon getan hatte. Nicht umsonst hatte sie das wundervolle Studium der Ernährungswissenschaften vollendet. Ihre Kinder sollten davon essen, was sie wollten, und wenn nicht, dann halt nicht. Ab und zu buk sie selber Brot oder Striezel, wobei sie versuchte, es immer ein bisschen gesünder zu machen. Manchmal gelang es, oft nicht. Dann aß sie es halt selber. Zum Glück gab es einen Tiefkühlschrank. Aber sie bemühte sich nicht mehr, ihnen etwas unterzujubeln. Und genauso gab es mal Fischstäbchen, Würstl, Chicken Nuggets, Kroketten – aber nicht zuu oft. Und ganz ganz selten – so wie gestern – fragte er dann, ob er zum (gemüsefreien) Risotto auch vom Lachs kosten dürfe – und es schmeckte! Und völlig unkommentiert (wichtig!!) ließ sie ihn ihren ganzen Lachs wegessen. Nächstes Mal würde sie für ihn einen mitbraten. Genauso hatte der knapp 2jährige eines Tages freiwillig ihre halbe Portion Kürbissuppe aufgegessen – Minierfolge, die sie ganz still unheimlich genoß!

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