Hassliebe Internet

Das Internet – eine ewige Hassliebe. Sie liebte es, weil sie so unkompliziert Fotos mit ihrer Familie tauschen konnte, weil sie enorm schnell Informationen bekam zu jeder Zeit, weil sie sich auch mit mehreren Freundinnen gleichzeitig unkompliziert Treffen ausmachen konnte, weil man recherchieren konnte, weil sie mit ihrer Familie im Ausland gratis telefonierten konnte, weil sie Urlaub buchen konnte, mit einem Klick ein Buch bestellen und in der nächsten Minute auch lesen konnte, Preise vergleichen konnte und Rezepte mit seltsamen Zutaten fand. Eine Zeitlang war sie sogar süchtig im Gesichtsbuch sinnlose Postings zu lesen, das hatte sie inzwischen aber aufgegeben, weil es kein sinnloseres und gleichzeitig zeitintensiveres Hobby gab. Hassen tat sie es deshalb, weil sie nicht immer das Gefühl hatte, dass sie Zeit sparte, denn oft erwischte sie sich dabei, wie sie auch viel Zeit damit verschwendete. Informationen über den Gesundheitsstatus einer ihr völlig unbekannten Katze, oder Fotos und Videos von Babys, Hunden, Pferden, Eiskübeln, Mahlzeiten oder grinsenden Affen. Deshalb war sie immer im Zwiespalt, so ganz abmelden wollte sie sich nicht, aber würde ihr wirklich was entgehen? Sie gehörte ja überhaupt mehr zur lesenden Fraktion. Selber posten – das tat sie nur ganz selten und sehr widerwillig. und schon gar nichts privates. Keine Familienfotos, keine Selfies, keinen Urlaub! Wie idiotisch der ganzen Welt mitzuteilen, dass man viel zu weit weg war, um einen möglichen Einbruch zu vereiteln oder gar zu bemerken! Aber jedem das seine. Und was den Datenschutz betraf, da kannte sie zuwenig aus. Sie wusste dass man aufpassen musste, dass alle Infos gesammelt wurden und zu ihrem Nachteil (???) verwendet werden konnten. Dass man immer und überall möglichst komplizierte Passwörter – immer andere – verwenden sollte, die man niemals aufschreiben, geschweige denn speichern sollte. Aber daran war sie schon kläglich gescheitert. Bank, Kreditkarte – ja klar, aber der Zugriff aufs Baby-online Forum? Fand sie dann doch weniger schützenswert. Und sie wusste, dass die online Welt auch große Chancen bot, dass man dort Bekanntheit erlangen konnte, dass man dort vielleicht Leser finden konnte, dass sie dort Marketing für sich und ihre Texte betreiben konnte, aber es fiel ihr schwer. Sie konnte den Grund dafür nicht nennen, aber vielleicht war sie altmodisch. Sie wusste nicht wirklich, wie es nutzen konnte, sie wusste aber auch, dass sie ohne nicht weit kommen würde. Und sie wollte sich einfach ganz deutlich von den ganzen Bloggern unterscheiden. Sie wollte keine Bloggerin sein. Warum? Sie wusste es nicht. Sie wollte ja nur, dass ihre Texte gelesen wurden, wann und wo, konnte ihr doch egal sein. Zumindest regelmäßig facebooken sollte sie aber doch. Sie hatte schon eine Seite, aber sie hatte sie eindeutig vernachlässigt. Twittern, Intagramen und alles andere, das würde noch dauern, aber facebooken, das würde sie jetzt in Angriff nehmen, zumindest in dem Maße, dass man dort erfahren sollte, wenn sie wieder etwas geschrieben hatte. Vielleicht würde sie ja so Interessierte finden . . und wer wusste schon was daraus einmal werden konnte?

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