Generationen im Golf

Sie hatte den Artikel gelesen über den Generationenkonflikt im Golf. Einerseits weil er sie wirklich interessierte, andererseits, weil sie zwei der drei Diskussionsteilnehmer persönlich kannte. Sie selber hatte da ihre eigene Theorie dazu. Sie sah da keinen echten Konflikt sondern eher die Problematik, dass der junge Nachwuchs fehlte, dass es viele ab fünfzig gab, aber viel zu wenig Jüngere. Ja – Golf war irgendwie schon ein Pensionistensport. Zumindest war er als ein solcher bekannt. Irgendwie aber auch verständlich. Zum einen war es ein relativ ungefährlicher Sport, also nix für Menschen, die in ihrer Freizeit den Adrenalinkick suchten. Andererseits – und das war aus ihrer Sicht das Hauptproblem – es war einfach teuer. Es war ein finanzielles Problem. Sie musste nur sich selbst ansehen und sich im direkten Umkreis umschauen. Sie war selbst als Kind schon sehr günstig Mitglied in einem schönen und angesehenen Club geworden, dank ihrer Eltern. Sie hatte dort als Kind gespielt und konnte sich noch erinnern, dass sie anfangs im Jugendtraining maximal fünf Kinder waren, sie selber, dann auch ihr Bruder und etwas seltener ihre Schwester und noch 2 bis 3 andere. Das wars. Diese Situation hatte sich dann im Laufe der Jahre deutlich verbessert. Bei den Jugendwochen, die es dann später gegeben hatte, waren es richtig viele Kinder. Und in ein paar Jahren würde sie ihr Kind zum Kindertraining schicken. Die Zeit dazwischen war aber die, in der viele Junge aufhörten, Golf zu spielen – aus zeitlichen und finanziellen Gründen. Und irgendwie auch sehr gut nachvollziehbar. Als Studentin hatte sie sich das Golfen auch noch gut leisten können. Der Jahresbeitrag war deutlich ermäßigt und da sie nie die Superstreberin war, hatte sie auch immer Zeit zum Golfspielen gefunden. Nach dem Studium sah das dann ganz anders aus. Als sie das erste Mal den Betrag gesehen hatte, der notwendig war, um auch in der nächsten Saison spielen zu können, war ihr schlecht geworden. Zum Glück halfen auch hier ihre Eltern nochmal aus, und in den darauffolgenden Jahren vereinbarte sie mit ihrer Mutter eine Art Ratenzahlung. Aber es war schwierig uns so ging es wahrscheinlich vielen: Man war dabei sich eine Karriere aufzubauen, man musste viel arbeiten, hatte in vielen Fällen Freunde, die keine Golfer waren, und gleich nach dem Studium war das Gehalt halt auch noch ein kleines. Und sie konnte sich vorstellen, dass dann viele ihre Golferkarriere beendeten, so wie sie es wahrscheinlich auch getan hätte. Aber da sie wirklich gerne spielte, sich ihre Arbeitszeit immer gut einteilen konnte und immer wieder ein kleines bisschen unterstützt wurde, hielt sie ihre Mitgliedschaft entgegen jeder Vernunft aufrecht. Ihre Golffreundin aber, die genauso gern spielte wie sie, aber durch ihren Job einfach zu wenig Zeit fürs Golfen fand, eine neuen Wohnung bezogen hatte, was auch nicht billig gewesen war, hatte schweren Herzens ihre Mitgliedschaft beenden müssen. Ein paar Jahre später hatte sie dann reumütig angefragt, ob sie wieder Mitglied werden könnte, aber sie hätte wieder die komplette Einschreibgebühr zahlen müssen. Naja, das war dann das vorläufige Ende ihrer Golfkarriere. Natürlich hätte sie in einem günstigeren Club Mitglied werden können, aber sie wollte so gerne wieder dort spielen, wo sie auch die Leute schon kannte. Diese Geschichte ihrer Freundin war auch für sie immer eine weitere Ermutigung gewesen, einmal im Jahr in den sauren Apfel zu beißen und weiter zu zahlen. Und noch etwas fiel ihr zum Thema Generationenkonflikt ein: Als sie fünfzehn oder sechzehn war, gestaltete sich die Altersstruktur ihres Clubs so, dass sie bei den Turnieren fast ausschließlich Flightpartner hatte, die ihre Eltern oder Großeltern hätten sein können. Nicht, dass diese nicht alle nett gewesen wären, aber förderlich war das nicht. Sie spielte dann auch relativ lange keine Turniere, weil es dann doch besseres Programm gab, als mit drei – aus ihrer damaligen Sicht – Uralten fünf Stunden spazieren zu gehen. Als sie dann ihren Mann kennengelernt hatte, traf man sie wieder öfter am Golfplatz, weil er glücklicherweise auch Gefallen daran gefunden hatte. Aber Mitglied war er auch heute noch nicht. Wieder aus finanziellen Gründen. Es war günstiger, einige Male Rangefee oder Greenfee zu zahlen, als Einschreibegebühr und vor allem Aufnahmegebühr. Und wieder war da kurz die Überlegung, in einem anderen günstigeren Club gemeinsam Mitglied zu werden, aber das wollte sie nicht. Sie war in diesem Club zuhause, sie kannte jeden Winkel, die meisten Mitglieder und es war einfach ihre Heimat. Momentan kam noch erschwerend dazu, dass Golf sich nur schwer mit kleinen Kindern vereinbaren ließ. Eine ganze Runde Golf wäre ohne engagierte Großeltern nicht möglich. Aber auch diese Phase war absehbar und dann freute sie sich darauf, mit Kind und Kegel viele Wochenenden draußen zu verbringen. So wie sie jetzt schon einige Familien immer beobachten konnte, die viel Zeit – vor allem auch in den Sommerferien – am Platz und auf der Range verbrachten. Auch wenn es nicht für die Nachfolge von Emma Spitz reichen sollte, sie hoffte doch, dass sie als Familie einmal gemeinsam viel Zeit ihrem gemeinsamen Hobby widmen würden können.

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