frauengedanken – eine Erklärung

Frauengedanken war der Titel ihres Blogs. Es hatte recht lange gedauert, bis dieses ganze Projekt ein Gesicht hatte. Zum einen musste sie sich erst einmal erklären lassen, was der Unterschied zwischen Blog und Homepage war, dann musste sie herausfinden, wo man so etwas günstig oder gratis verwirklichen konnte, und dann war da noch die Herausforderung einen Namen zu finden. Das alles war soweit geschafft, der Name gefiel ihr, denn er drückte das aus, was sie schreiben wollte. Frauengedanken. Viele diese Gedanken würden ihre eigenen sein, aber es war genauso spannend, die Gedanken anderer niederzuschreiben. Gedanken, sie sie sich ausdachte, womit es zwar wieder ihre eigenen waren aber eigentlich auch nicht. Sehr oft hinterfragte sie im Alltag unbewusst die Aussagen, Taten, die Entscheidung anderer und überlegte, was der Hintergrund sein könnte. Und manchmal ergab sich dazu einfach eine ganze Geschichte. Oft auch nicht und die Situation ging spurlos an ihr vorüber. Sie dachte sich also oft die Gedanken der anderen. Konnte man Gedanken überhaupt denken? Irgendwie erfand sie diese Gedanken ja, und sie würde niemals erfahren, ob es diese Gedanken jemals gegeben hatte. Hin und wieder erfand sie die Gedanken ihrer Freundinnen und es kam ihr so vor als würde sie sich kurz in sie hineinversetzen und dann lief die Geschichte aber in eine völlig andere Richtung und hatte rein gar nichts mehr mit ihrer Freundin zu tun. Da war sie dann vom Ende der Geschichte selber überrascht. Wobei es einige Freundinnen gab, die einen eigenen Roman wert wären, ohne dass man irgendetwas erfinden müsste – wirklich. Aber das niederzuschreiben, kam ihr wie Diebstahl vor. Sie wollte eigene Geschichten schreiben, die Inspiration lieferte ihr der Alltag. War das verrückt? Wahrscheinlich schon. Aber das störte sie nicht im Geringsten. Sie würde den Blog auch so schreiben, dass man vorher nie wusste wer die Denkende war. Das war der einzige Vorsprung den sie als Autorin gegenüber der potentiellen Leserin hatte. Würde es sogar Leser geben? Falls ja, hoffte sie inständig, wie würden sich nicht diskriminiert fühlen, aber es waren nun mal Frauengedanken, und sie bezweifelte, dass das viele Männer lesen würden. Aber vielleicht sollte sie es doch genderneutral formulieren. – also: potentieller Leser/potentielle Leserin, wenn ihr Blog denn überhaupt jemals von irgendwem gelesen werden würde. Aber das war ein anderes Thema. Eines, womit sie sich nicht beschäftigen wollte, denn das einzige, was sie wollte, war schreiben. Diese ganzen Gedanken irgendwo festhalten, das war ihr Bedürfnis. Ob das jemand las oder nicht, war ihr irgendwie egal. Es würde sie zwar freuen, aber das war es such schon. Ok, zugegebenermaßen, ihr Traum war es, davon leben zu können. Aber nicht, weil sie dann Anerkennung bekäme und Geld verdienen würde (obwohl das natürlich nichts unangenehmes war) aber weil es bedeuten würde, dass sie richtig viel Zeit in die Schreiberei investieren konnte, dass sie täglich schreiben konnte und durfte und keinem „ anständigen“ Job nachgehen müsste. Sie könnte ihr Hobby zum Beruf machen und wäre das nicht das schönste, was ihr passieren könnte? Denn irgendwie musste sie ihr Leben ja auch finanzieren. Und ihr Leben war teuer. Sie hatte eine Familie, sie reiste gerne, hatte ein teures Hobby, sie ging gerne essen, sie kaufte gerne gute damit meist teurere Lebensmittel, nur bei Kleidung und Schuhen war sie eher sparsam. Ganz untypisch frau. Ihr Mann zog sie gerne damit auf. Vielleicht würde sie mal eine Geschichte schreiben über die Gedanken einer Frau mit voller Garderobe und riesigem gut gefülltem Schuhschrank. Wieso war das manchen Frauen so wichtig? Die Idee für die nächste Geschichte stand. Herrlich – das machte einfach Spaß! Es fiel ihr schwer jetzt diese Geschichte vernünftig zu beenden, weil die nächste schon ihrem Kopf wartete. Wenn sie doch nur schneller tippen könnte! Ja der nächste Frauengedanke wartete darauf niedergeschrieben zu werden. Und das waren gewiss nicht ihre Gedanken, Sie erfand sie gerade.

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