Fasching !!!!!

Der Fasching würde ja spurlos an ihr vorübergehen. Einzig die Krapfen, die seltsamen Gestalten am Faschingsdienstag und der Wunsch des Gatten nach Heringssalat erinnerten sie daran. Inzwischen waren da natürlich auch die Kinder, wodurch Fasching wieder eine ganz neue Bedeutung gewonnen hatte. Dieses Jahr hatte sie es ja tatsächlich geschafft, sich rechtzeitig um ein Kostüm für den Großen zu kümmern. Sie hatte schon vor Wochen mit ihm gemeinsam eines ausgesucht und online bestellt. So ein grauenvolles Polyester-Teil. Immerhin in angenehmen Farben – blau weiß – entweder Kapitän oder Pilot. Sie war froh, dass es nicht Darth Vader geworden war. Aber das würde sich nicht mehr lange vermeiden lassen, auch das wusste sie. Diese herzigen Marienkäfer oder Bienchen – das fände sie ja total süß – aber dafür hatte sie wohl die falschen Kinder. Sie selber hasste Verkleidungen, sie war diesbezüglich einfallslos und nicht bereit auch nur einen Cent dafür auszugeben, wie ein Trottel auszusehen. Zum Glück war ihr das in den letzten Jahren immer erspart geblieben. Sie bewunderte diejenigen, die sich in aufwendige Kostüme warfen und das dann richtig genossen. Auch heuer hatte es nach einem verkleidungsfreien Fasching für sie ausgesehen, aber da hatte sie die Spontaneität mancher Faschingsliebhaber unterschätzt. Die Einladung (Kostümzwang für alle) war am Rosenmontag gekommen. Stattfinden sollte alles am Faschingsdienstag und ihr Großer wollte dort natürlich unbedingt hin, immerhin hatte sein bester Kindergartenfreund geladen – mit Eltern. Ahhhh. Sie überlegte gut, wie sie aus dieser Nummer wieder raus kam , aber ihr Mann war da auch keine Hilfe. Er entscheid sich, mit Kleinsohn zuhause zu bleiben, damit sie hingehen konnte. Er fand das auch noch richtig großherzig. Sie nicht so. Einerseits mochte sie gerne hingehen und wusste sie würde sich gut unterhalten, aber verkleiden? Sie bewunderte auch, dass diese Familie mit zwei Kindern und voller Berufstätigkeit ohne Vorbereitungszeit, einfach spontan zum Gschnas lud. Einfach und unkompliziert – schnell ein Rundmail. Das wiederum fand sie besonders nett. Das würde sie auch mal gerne machen – natürlich nicht im Fasching! – aber dafür hatte sie definitiv den falschen Mann geheiratet. Das war jetzt aber gar nicht das Problem. Das Kostümproblem war immer noch nicht gelöst! Was um Himmels willen sollte sie anziehen??? Sie wollte ja auch kein Spielverderber sein. Aber es fiel ihr einfach nichts ein. Sie kam sich immer so lächerlich vor! Sie hatte wohl ein Kindheitsfaschingstrauma. Man konnte ja so ziemlich alles, was einem im Erwachsenenleben störte, an einem Kindheitstrauma festmachen, oder? Und war es nicht wirklich so, dass es damals zu ihrer Zeit (War sie schon so alt, dass sie das sagen konnte?) noch nicht so viele aus China importierte Polyesterware gab? Und viele Mütter sich bemüßigt fühlten, Kostüme selber zu nähen und zu basteln? Dafür hatte sie nämlich definitiv die falsche Mutter. Denn die war weder näh- noch bastelbegabt und dementsprechend sahen die Kostüme auch immer aus. Erschwerend kam hinzu, dass ihr Vater besonders originelle Einfälle hatte – was die Sache weder einfacher und schon gar nicht schöner machte. Nun lag es an ihr, dieses Trauma aufzuarbeiten und innerhalb kürzester Zeit eine annehmbare Verkleidung zu finden. Es wollte ihr nichts einfallen, entweder es war blöd, langweilig, oder sie hatte nichts passendes. Sollte sie als Koch gehen? Sie hatte mal eine Kochmütze geschenkt bekommen, wenn sie die jetzt noch fände und einfach eine Schürze dazu, darunter weiß, und etwas Mehl im Gesicht? Perfekt. Da die Schürze von einer Konditorei stammte, war sie wohl eher Bäckerin oder Konditorin, aber das war ja ziemlich egal. Damit würde sie sich auch nicht allzu bescheuert vorkommen und niemand konnte ihr vorwerfen, sich nicht verkleidet zu haben. Ein versöhnlicher und erfreulicher Faschingsausklang!

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