die erste aller Kolumnen

Eine Kolumne -sollte man die nicht in der Ichform schreiben? Das lag ihr gar nicht. Sie würde es so versuchen, wie sie immer schon am liebsten geschrieben hatte, obwohl sie nicht einmal wusste, wie sie das korrekt bezeichnen sollte. Das gefiel ihr einfach besser. Sie musste sich kürzer fassen als sonst. Der Text durfte nur halb so lang sein. Im Kürzen und Streichen war sie normalerweise ganz gut. Und sie besaß die Fähigkeit, sich aufs wesentliche zu beschränken. Nur über das Thema ihrer Kolumne war sie sich noch nicht im Klaren. Wenn sie aber regelmäßig erscheinen sollte, musste es etwas aus ihrem Alltag sein. Also da war das Kind, der Ehemann, der Haushalt. Spannend! Das würde die Leser vom Hocker reißen. Vielleicht doch Politik? Nicht nur, dass sie keine Ahnung davon hatte, aber was sie wusste, war, dass sie das, was sie darüber in der Zeitung las, kolumnenmäßig kaum überbieten konnte. Also doch Kind, Mann und Haushalt? Sollte sie es um Karriere ergänzen? Sie war schon gut, aber so viel Phantasie traute sie sich nicht zu. Also gut, dann halt ihr Alltag. Jeden Tag eine kleine Episode – so schwer konnte das doch gar nicht sein. Im Laufe des Schreibens würde sie schon merken, in welche Richtung es sich entwickelte. Es gab eine Wochenendbeilage, in der sie ihre Kolumnen gerne veröffentlichen würde und deshalb würde sie sich mit der Textlänge an die dortigen Verhältnisse anpassen. Dann blieben ihr jetzt noch 20 bis 100 Worte. Also kurz oder lang? „In der Kürze liegt die Würze“ – außerdem fiel ihr zu diesem Thema jetzt ohnehin nichts mehr ein!

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