der Blog ist online . . .

Der Blog ist online!
Sie war sich nicht sicher, wie sie sich fühlte. Es war irgendwie komisch. Sie hatte schon viele Geschichten geschrieben, sie hatte jetzt auch schon einige auf ihren Blog gestellt, und sie hatte einige in Reserve, um das Ziel wöchentlich etwas Neues zu veröffentlichen auch zu erreichen. Sie war soweit, dass sie die Adresse auch weitergeben konnte. Und genau das war es, was sich komisch anfühlte. Bisher hatte sie für sich geschrieben – irgendwie als Hobby, nun ging es darum, dass auch andere diese Geschichten lesen würden. Natürlich wollte sie das, aber irgendwie hatte sie Angst davor. Aber wovor genau? Vor der Kritik? Davor, dass es keiner lesen würden wollen? Sie hatte bisher alleine für sich in ihrem Schlafzimmer geschrieben, ohne dabei über eventuelle Leser nachzudenken, und genauso würde sie auch weiter schreiben wollen – unabhängig davon, ab es den anderen gefiel – weil es ihr einfach Spaß machte. Aber natürlich hoffte sie inständig, dass ihre Geschichten auch gelesen würden, dass es Menschen gäbe, die ihre Geschichten mochten. Dass es vielleicht irgendwann den Funken einer Hoffnung gäbe, dass sie damit vielleicht auch ein kleines bisschen etwas verdienen würde. Sie hoffte in Wahrheit, dass ihre Geschichten so gut waren, dass es möglicherweise mal jemanden gäbe, der dafür zahlen würde. Soweit der Wunschtraum. Sie wusste auch, dass es dafür einmal nötig war, dass andere – und zwar möglichst viele – diese Geschichten lesen mussten. Was sie aber unbedingt vermeiden wollte, dass sie es ihr zuliebe taten. Sie wollte mit ihren Geschichten überzeugen, aber nicht deshalb, weil sie gute Freunde hatte, die ihr einen Gefallen tun wollten. Sie wollte so gerne „anonym“ bekannt werden. Sie wollte, dass das Unbekannte ihre Geschichten mochten und nicht nur ihre Freundinnen oder die Freunde der Familie. Deshalb würde sie ihren Blog auch keinesfalls unter ihrem Namen in facebook „teilen“ und dann auf möglichst viele, „likes“ hoffen. Das widerstrebte ihr zutiefst. Sie würde auch kein Sammel-Email an alle ihre Freunde und Bekannte schicken, um sie auf den Blog aufmerksam zu machen. Sie wünschte sich so sehr, dass das Interesse daran sich selbständig entwickelte. Es war einfach ihr Herzenzprojekt und deshalb musste es sich von Anfang an richtig für sie anfühlen. Sie würde nur das tun, was ihr Bauchgefühl ihr riet. Egal ob es vernünftig schien oder nicht. Denn so gesehen, hätte sie das alles ja schon längst aufgeben müssen. Sie schrieb gerade mal ein paar Monate und hatte damit noch nichts erreicht. Sie war auch mit der Optik des Blogs noch nicht ganz zufrieden. Es wirkte noch zu unprofessionell. Daran wollte sie wirklich noch etwas ändern und sie wusste auch, dass sie das alleine nicht konnte. Dafür reichte ihr technisches Verständnis nicht aus. War das jetzt wieder nur ein Vorwand, um niemanden die Adresse zu verraten? Irgendwie schon. Denn die Optik sollte ja nicht überzeugen, sondern die Geschichten – und trotzdem musste es zusammenpassen. Und genau genommen hatte sie ein paar Freundinnen die Adresse schon verraten. Sie vermutete aber, dass sie es sich nicht gemerkt hatten. Vielleicht besser so. Wie genau aber wollte sie zu Lesern kommen, wenn sie ihren Freundeskreis da raus halten wollte? Auch dieser Plan fehlte ihr noch. Sie wusste aber auch, dass sich ein Weg finden würde. Sie sah ihn zwar im Moment noch nicht, aber es gab ihn und er würde sich zu gegebener Zeit vor ihr auftun. Da war sie sich sicher. Es hatte sich in ihrem Leben immer etwas ergeben. Und oft war es Plan B gewesen, der rückblickend der bessere gewesen war. Diese Geduld zu haben, fiel ihr oft schwer, sie wollte immer alles sofort. Aber gerade jetzt würde sie sich Zeit lassen, denn sie wollte, dass es gut wurde. Dieses Projekt sollte die Zeit bekommen, die es benötigte. Sie würde weiter immer daran arbeiten, aber sie ihr Bauch sagte ihr, dass sie Geduld beweisen musste und dann würde es gelingen. Sie würde die Adresse momentan also noch nicht aktiv verraten, sie würde kein Geheimnis daraus machen, wenn es jemand wirklich interessierte – gerne, aber sie würde niemanden damit zwangsbeglücken. Alles andere würd sich schon ergeben. Ihre Aufgabe war es, ihren Blog so zu gestalten, dass sie wirklich glücklich damit war und offen zu sein, für alles, was in nächster Zeit passieren würde und erkennen, ob sich dabei eine Tür für sie öffnete.

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