das Meer

Das war für sie so eine Sache – sie liebte es! Über alles, obwohl ihr nicht ganz klar war, warum. Ja sicher – auch sie hatte in ihrer Kindheit schöne Urlaube am Meer verbracht, aber konnte das alleine der Grund für ihre Liebe zum Meer sein? Wenn Sie das Meer nur sah, fühlte sie sich wie im Urlaub! Sie hatte nie in einer Küstengegend gewohnt oder gearbeitet, also war dieses Feriengefühl damit einfach verankert. Aber es war ja noch viel mehr als Urlaub, es war Freiheit, es war ein unbeschreibliches Wohlgefühl, eine Meeresbrise zu riechen, das Salz zu schmecken, die Füße in den Sand zu graben, die Brandung zu beobachten, und in der Ferne den Horizont zu erkennen. Für sie bedeutete Meer auch Sommer, warme Temperaturen und auch das liebte sie. Wenn andere sich über die Hitze beschwerten, fing sie an, sich wohl zu fühlen.  Irgendwo in ihren Genen hatte sie wahrscheinlich auch mindestens zwei Meeres-gene, eines aus dem Norden und eines aus dem Süden, wobei das südliche das dominante war. Sie konnte sich erinnern, dass ihre nordische Verwandtschaft nichts dabei fand, bei gefühlten 20 Grad Außentemperatur in ein gefühltes 15 Grad kalte Meer zu springen! Sie konnte sich nicht erinnern wie kalt es wirklich war, aber es war eiskalt! Ins Mittelmeer hingegen ging sie bei angenehmen sommerlichen Temperaturen auch dann, wenn die anderen vielleicht noch zauderten, aber da machte es ihr nichts aus, wenn es nicht so warm war. Und wenn sie richtig schwimmen konnte, was es das größte! Also nicht nur planschen sondern richtig schwimmen. Am besten in einer ruhigen Bucht am frühen Morgen! Wow. Alleine die Erinnerung daran  brachte sie ins Schwelgen. Und sie musste jetzt etwas relativieren, richtig schwimmen bedeutete für sie Brustschwimmen – aber immerhin mit Schwimmbrille und nassen Haaren! Also irgendwo zwischen echtem Sportschwimmen und Kurbadgastschwimmen. Und wenn sie nicht zu schnell losschwamm, konnte sie endlos schwimmen. Einmal war sie mit einer Freundin über eine Stunde in eine Richtung geschwommen. Sie hatten unbedingt  diese kleine vorgelagerte Insel erreichen wollen, und das schafften sie auch ohne Probleme, obwohl es natürlich weiter war, wie gedacht. Die am Strand zurückgebliebenen hatten sich inzwischen schon Sorgen gemacht,  und hatten schon jemanden mit einem Boot ausgeschickt, um sie zu retten! Aber ihnen war nicht zu helfen gewesen. Das Meer vermittelte ihr auch immer ein Gefühl der Freiheit und der Grenzenlosigkeit. Es war so weit und so unendlich. Das war auch der Grund, warum sie es als Motiv für ihren Blog gewählt hatte. Das Schreiben vermittelte ihr ein ähnliches Gefühl. Immerhin konnte sie schreiben, was sie wollte, auch hier gab es keine Grenzen und sie fühlte sich frei dabei! Es war immer eine kleine Überwindung ins Meer zu tauchen, aber wenn man dann mal drin war . . . Und genauso verhielt es sich mit dem Schreiben. Sie musste sich ein kleines bisschen zwingen, sich an den Laptop zu setzen, aber wenn der erste Satz geschrieben war,  . . . Es war wie eine Sehnsucht, die sich langsam zu erfüllen schien.  Ans Meer würde sie nicht so schnell übersiedeln können, aber schreiben konnte sie.

 

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